Das Geheimnis von Claydon Manor

Mit „Das Geheimnis von Claydon Manor“ wagt sich Selina Wilhelm in das Genre historischer Liebesroman vor. Zuvor durfte ich ihre Fantasyreihe lesen und auch mit ihrem neuen Roman verlässt die Fantasy nicht ganz: „Das Geheimnis von Claydon Manor“ ist durchtränkt mit Mystery-Einflüssen, die dem historischen Setting einen ganz besonderen Twist verleihen.

Inhalt

Der Roman erschien bereits am 25. August 2021 bei Books on Demand und entführt uns in das Jahr 1855, England. Sophia wacht eines Tages ohne Gedächtnis auf und wird von der ehemaligen Gouvernante Miss Grace gefunden. Auch nach Tagen kann sie sich nicht an ihre Vergangenheit erinnern und besitzt keinen Penny. Die Stelle der Gouvernante ist noch unbesetzt, deshalb sucht Sophia das Anwesen Claydon Manor auf, um sich ihr Brot zu verdienen.

Dort angekommen muss sie sich um die fünfjährige Emilia kümmern, deren Mutter verstorben ist. Im Anwesen hängt ein Gemälde von Emilias Mutter, das Sophia magisch anzieht. Nachts scheint sie die Stimme der Verstorbenen zu hören … Und weshalb meidet Lord Moore seine Tochter?

Rezension: „Das Geheimnis von Claydon Manor“

Du siehst, „Das Geheimnis von Claydon Manor“ ist nicht einfach ein historischer Liebesroman, sondern birgt Mysterien, die es zu ergründen geht. Neben der Haupthandlung um Sophia beleuchten Rückblenden die Beziehung zwischen Lord Moore und Emilias Mutter Emma. Nach und nach kommen wir als Lesende dem Geheimnis auf die Spur … und werden am Ende trotzdem komplett von dem Plottwist überrascht! Zumindest mich traf es mich unvorbereitet und gab dem Roman zum Schluss noch einmal einen Spin.

Erzählt wird die Geschichte von einem personalen Erzähler, der nur so viel verrät, dass man selbst Vermutungen aufstellen kann. Wer aber vor dem Ende schon wusste, wie „Das Geheimnis von Claydon Manor“ ausgehen wird, der hat meine Hochachtung! Wie von der Autorin gewohnt liest sich der Schreibstil sehr flüssig und die Probleme des Korrektorats ist verschwunden, die damals noch den ersten Band der Sormiedenherz-Reihe heimsuchten.

Fazit

Insgesamt nahm der Roman mich zunehmend mit, je mehr er voranschritt. Der Twist am Ende hat mir besonders gefallen und führt garantiert dazu, dass mir „Das Geheimnis von Claydon Manor“ noch eine Weile im Gedächtnis bleiben wird. Alles in allem eine absolute Kaufempfehlung für Historienfans, die sich überraschen lassen wollen.

5/5 ⭐

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Inhalt

Nach dem Tod des Bruders und dem Fortgang des Vaters an die Front, muss Elisa den Hof führen. Gleichzeitig ist es ihre Aufgabe, auf ihre drei Schwestern aufzupassen. Als würde der nahende Winter noch nicht reichen, plündern die siegreichen Franzosen den Hof und quartieren sich kurzerhand bei den Dorfbewohnern ein. Im Haushalt von Elisa und ihren Schwestern wohnen fortan fünf Soldaten und der schöne wie geheimnisvolle Leutnant Tristan.

Obwohl Elisa den Kontakt so gut wie möglich versucht zu vermeiden, kann sie die Begegnungen nicht stoppen. Sie selbst verstrickt sich zunehmend in den Fängen des Leutnants, auch weil beide die Liebe für die Musik teilen. Doch kann ihre Zuneigung gegen den aufziehenden Sturm bestehen?

Rezension: „Wie der Sturm in Frühling“

Ein Buch mit Tiefe, flüssigem Stil und Verstrickungen, die an Bridgerton erinnern, dazu eine Prise närrischer Avancen einer Figur aus Jane Austens Romanen. Mit viel Können spinnt Garber eine Geschichte, die mitreißt, verzaubert und zugleich auf dem Boden bleibt, wenn die harte Realität die Protagonistin Elisa treffen. Einzig der Höhepunkt des Bandes erreichte mich überraschen und ich hätte mir gewünscht, die Motive der betreffenden Figuren wären breiter ausgemalt worden. Das Ende dagegen rundete „Wie der Sturm im Frühling“ ab und brachte es zu einem logischen Schluss, der aus den Konsequenzen des Höhepunktes gezogen werden musste. Nur eine Entscheidung erschien mir für die damalige Zeit unangemessen, die das Ende hier verraten würde. Deshalb nur so viel: Wäre das standesgemäß gewesen?

Fazit

Besonders gefiel mir das Glossar, in dem ich unbekannte historische Begriffe nachschlagen konnte, die im Buch auftauchen. Eine gut recherchierte Erzählung auf 250 Seiten, die mich nach etwa der Hälfte vollständig fesseln konnte. Eine absolute Empfehlung für alle, denen Bridgerton und/oder die Bücher von Jane Austen gefielen.

5/5 ⭐

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Heute als Netflix-Serie „Outlander“ bekannt, erschien die Highland-Saga von Diana Gabaldon bereits im Jahr 1991. „Outlander – Feuer und Stein“ bildet den Auftakt der historischen Liebesromane, die derzeit aus 9 Bänden besteht.

„Outlander – Feuer und Stein“ versetzt uns in das Jahr 1946 zurück. Der 2. Weltkrieg ist vorbei, Claire und ihr Mann Frank genießen den Frieden auf einer Reise in die schottischen Highlands. Eines Nachts beobachtet Claire, wie einige Frauen des Dorfes um einen Steinkreis tanzen. Als sie diesen anschließend untersucht, fällt sie durch einen Stein in das Schottland des Jahres 1743. Zunächst davon überzeugt, dass die Rotröcke in den Wäldern einen historischen Film drehen, muss Claire bald feststellen, dass sie in der Vergangenheit gelandet ist. In den Highlands lernt Claire den gesuchten und zu Tode verurteilten James Frazer kennen und lieben. Mit ihm geht sie durch Himmel und Hölle: Können sie den Krieg vereiteln, der die schottischen Clans zu vernichten droht?

„Outlander – Feuer und Stein“ ist ein Roman für Erwachsene, der Themen wie physische und psychische Gewalt aufgreift. Diesen Themen steht die Liebe gegenüber. Gabaldons Schreibstil entpuppte sich als äußert detailliert und recherchiert, was mir sehr gut gefiel. Ich konnte regelrecht in die Schönheit ihrer Worte versinken, die Landschaften, die Detailtreue und die Atmosphäre, die sie damit erschafft. Beim Lesen konnte ich zusätzlich viele neue Wörter entdecken, die ich zuvor nicht kannte.

Der einzige Wermutstropfen für mich war, dass „Outlander – Feuer und Stein“ mit 1000 Seiten ein echter Wälzer ist und ich zwischenzeitlich die Motivation verlor, darin zu lesen. Einfach, weil der Band so dick ist. Zwischendurch sehnte ich mich nach etwas leichterer Kost, auch wegen der genannten Themen, die auf die Psyche gehen. Deshalb musste ich „Outlander – Feuer und Stein“ zwischendurch weglegen, um die Geschehnisse zu verarbeiten.

Dennoch gefiel mir der Auftakt der Highland-Saga sehr. Ich fand ihn auch erträglicher zu lesen, als die 1. Staffel der Serie zu schauen. Die Serie empfand ich als extrem brutal. Wer die Outlander-Reihe noch nicht kennt und es weniger brutal mag, dem empfehle ich die Buchreihe aus vollem Herzen. Trotzdem: 18+.

4/5 ⭐

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Die vielfältige Flora und Fauna Spaniens sorgte in der Frühen Neuzeit für zahlreiche Speisen, z. B. die Auberginen-Kasserolle. Lies mehr!

Essen auf Spanisch: Auberginen-Kasserolle

Spanien zählt 17 autonome Regionen mit einer vielfältigen Flora und Fauna. Deshalb gab es bereits in der Frühen Neuzeit zahlreiche Speisen und Getränke. Während das Frühstück eher unwichtig war und dementsprechend klein ausfiel, wurden mittags und abends 2 Gänge auf den Tischen serviert. Ein deftiges Gericht war  z. B. die Auberginen-Kasserolle. Weiter unten findest du ein Rezept zum Nachkochen.  Nach den Gängen servierten die Köche eine reichhaltige Nachspeise.

Zu den Zutaten gehörten:

  • Vögel
  • Säugetiere
  • Fische und Meeresfrüchte
  • Obst und Gemüse
  • Eier und Milch
  • Getreide

Neben frischen oder gekochten Speisen waren getrocknete Früchte beliebt. Die Speisen wurden mit verschiedenen Saucen und Kräutern verfeinert.

Vögel

Pfaue, Fasane, Kraniche, Gänse, Trappen, Enten, Moorhühner, Rebhühner, Tauben, Wachteln, Blässhühner, Möwen, Drosseln, Schwalben, Hähne, Hühner, Reiher, Spatzen

Säugetiere

Ochsen, Kühe, Hirsche, Damhirsche, Rehe, Gazellen, Hasen, Kaninchen, Bergziegen, Winschweine, Spanferkel, Schafe, Kamele, Otter, Igel, Dachse

Fische

Wale, Rotmulle, Rochen, Nadelfisch, Aale, Muräne, Hechte, Steinbutt, Flunder, Lachse, Goldkopf, Brassen, Barben, Forellen, Sardinen, Elritzen, Hummer, Garnelen, Makrelen, Fliegende Fische, Austern, Muscheln, Schnecken, Schildkröten

Obst

Melonen, Zitronen, Gurken, Granatäpfel, Feigen, Grapefruits und Orangen, Birnen, Pfirsiche, Maulbeerfeigen

Nüsse und Kerne

Walnüsse, Kastanien, Haselnüsse, Eichelnüsse, Pinienkerne, Pistazien

Kräuter

Mariendistel, Brennnesseln, Borretsch, Petersilie, Salbei, Fenchel, Anis, Kümmel, Senf, Malven

Gemüse:

Karotten, Artischocken, Kopfsalat, Rüben, Zwiebeln, Knoblauch, Kapern, Kohl, Rote Bete, Staudensellerie, Rucola

Mit diesen Zutaten wurden zahlreiche Gerichte kreiert, darunter die Auberginen-Kasserolle. Diese kannst du mit dem folgenden Rezept nachkochen.

Auberginen-Kasserolle

Für 4 Personen
Leicht
1,5 h Zubereitungszeit

Zutaten

2 kg gewürfelte Auberginen
1 gehackte Zwiebel
4 geschlagene Eier
100 ml Olivenöl
4 EL Semmelbrösel
Geriebener Ziegenkäse
4 EL Rosmarin-Honig
1 EL Oregano
½ TL gemahlener schwarzer Pfeffer
1 TL Salz

Zubereitung

  1. Erhitze das Öl in einer Pfanne und brate darin die Zwiebeln an. Gib die Auberginen dazu, decke die Pfanne ab und brate alles bei niedriger Hitze. Rühre während des Bratens ab und zu um.
  2. Sobald die Auberginen weich sind, nimm die Pfanne vom Herd und lasse sie ca. 30 Minuten abkühlen. Kurz bevor die Auberginen kalt sind, gebe die geschlagenen Eier, die Semmelbrösel und die Gewürze Oregano, Pfeffer und Salz hinzu.
  3. Je nach Ofenart solltest du deinen Ofen nun auf 180 grad vorheizen. Neuere Öfen müssen nicht vorgeheizt werden.
  4. Fülle jetzt den Pfanneninhalt in eine Pfanne mit flachem Boden oder in eine Auflaufform um. Die Schicht Auberginen bedeckst du anschließend mit weiteren Semmelbröseln. Darauf schichtest du den geriebenen Ziegenkäse. Dann tröpfelst du die Rosmarin-Honig-Mischung auf den Käse. Die Pfanne oder Auflaufform bäckt nun für 20 bis 25 Minuten bei 180 Grad im Ofen.
  5. Schau nach, ob deine Auberginen-Kasserolle fertig ist. Falls ja, lass sie 10 Minuten ruhen und serviere sie dann, indem du sie vorsichtig in Stücke schneidest, sodass sie nicht bricht.

Wenn du ein irisches Rezept probieren möchtest, dann empfehle ich dir das traditionelle Colcannon!

Literatur

Redondo Buey, Patricia (2014): El arte de cozina de Diego Granado (1599), primer libro de cocina en lengua castellana. Universidad de Valladolid. Facultad de Medicina.

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Bauern, Dreifelderwirtschaft, Grafen, Könige – davon hast du schon mal gehört. Doch dass die Frühe Neuzeit den Weg geebnet hat für die Welt, in der wir heute leben, hat dir in der Schule niemand beigebracht.

In diesem Beitrag frischen wir diese Lücke auf – denn Geschichte ist mehr als ein trockenes Unterrichtsfach!

Kolonialisierung in der Frühen Neuzeit

Das Mittelalter endete im 15. Jahrhundert. Danach folgte die Frühe Neuzeit, sie reichte bis ins 18./19. Jahrhundert hinein.

Während dieser Zeit gab es bedeutende Umbrüche: Die Europäer besiedelten Amerika und die Inselgruppen um Indonesien und die Philippinen; tausende Einheimische kamen ums Leben. Die meisten nicht durch Gewalt, sondern wegen der eingeschleppten Krankheiten.

Wer überlebte, wurde wie ein Sklave behandelt; der indigenen Bevölkerung wurden die Menschenrechte aberkannt. Nur die Europäer hatten das Recht auf den 1. Artikel des Grundgesetztes: Die Würde derjenigen, denen das Land gehörte, war antastbar.

Stärkung der Bauern im Westen …

In Westeuropa begann die sogenannte „Kommerzialisierung“: Die Grundherrschaft verschwand; Bauern konnten Pachtverträge abschließen und ihr Land sogar vererben. In den Städten errichtete man Gärten, sodass auch Städter Grundnahrungsmittel anbauen konnten. Die Einheit zwischen Hintersasse (Bauer) und Herr löste sich auf.

… Versklavung im Osten

In Mittel- und Osteuropa dagegen trat die „Refeudalisierung“ ein: Die Grundherrschaft wechselte zur Gutsherrschaft – die Menschen wurden wieder stärker wie Untertanen behandelt, sie waren abhängig von ihren Herren. Getreide und Vieh wurde aus Ost- und Mitteleuropa in den Westen exportiert, hauptsächlich in das Alte Reich (heute Deutschland) und z. B. Ungarn.

Während der Westen besser dran war, litt der Osten unter dem System. Wer nun an Ost- und Westdeutschland bzw. Berlin denkt, liegt damit gar nicht mal so falsch: Ähnliche Strukturen ziehen sich bereits seit der Frühen Neuzeit durch Europa – unsere Geschichte ist ein Teil von uns!

Hungersnot und Krankheit

Die Menschen in der Frühen Neuzeit, besonders im 16. und 17. Jahrhundert, wurden von anhaltenden Hungersnöten gebeutelt. Missernten, Kriege und Krankheiten führten zu zahlreichen Toten und einem Rückgang der Bevölkerung.

Missernten führten zu hohen Preisen für Grundnahrungsmittel wie Getreide. Deshalb waren günstige, lang sättigende Speisen wie Haferbrei beliebt.

Weil die Preise stiegen, konnten ärmere Menschen ihre Familien nicht mehr ernähren. Sie litten Hunger, waren unterernährt, deshalb verschlechterte sich ihr Immunsystem. Schließlich starben sie an simplen Krankheiten wie einer Erkältung.

Auf der anderen Seite verarmten nicht nur die unteren Schichten, sondern auch Handwerker und Händler: Wenn die Preise für Grundnahrungsmittel stiegen, besaßen die Menschen weniger Geld, um andere Güter zu kaufen – wie Kleidung, Schuhe, Kämme, Werkzeug … Handwerker, Kaufleute und andere Berufsgruppen konnte ihre Waren nicht mehr verkaufen; auf diese Weise verarmten sie ebenfalls.

Die positive Seite der zahlreichen Tode

Allerdings profitierten die Menschen auch von den hohen Todesraten, so makaber es erscheinen mag: Denn heiraten und eine Familie gründen durften nur Menschen mit einer Vollerwerbsstelle, d. h., sie mussten entweder einen Hof oder einen Handwerksbetrieb besitzen.

Dank der Tode wurden frühzeitig Stellen frei – andere konnten diese besetzen und und sahen sich plötzlich in der Lage zu heiraten.

Im 17. Jahrhundert lag das durchschnittliche Heiratsalter bei

  • 25 Jahren für Frauen und
  • 27 Jahren für Männer.

In Krisenzeiten sank das Heiratsalter aus dem zuvor genannten Grund: Stellen wurden frei und die Menschen heirateten früher, da sie eine Familie ernähren konnten.

Fazit

Obwohl der Geschichtsunterricht die Frühe Neuzeit stiefmütterlich behandelt, war sie ein wichtiger Schritt der Menschheit zu der Welt, wie wir sie heute kennen. Das Grundrecht „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ wurde gelebt, es entbrannte eine Debatte über die Menschenrechte der indigenen Bevölkerung, die wie Sklaven behandelt wurden.

Hungersnöte waren an der Tagesordnung: Zahlreiche Menschen starben, doch jedes Ereignis hat zwei Seiten. Im Gegensatz zu der weit verbreiteten Annahme lag das Heiratsalter von Männern und Frauen im 17. Jahrhundert bei 26 Jahren. Eine Zwangsehe mit 16 oder gar 12 Jahren stand nicht auf der Tagesordnung.

Mehr zum Thema Familien in der Frühen Neuzeit erfährst du im nächsten Artikel.

 

Literatur

Schorn-Schütte, Luise (2009): Geschichte Europas in der Frühen Neuzeit. Studienhandbuch 1500 – 1789. Paderborn: Ferdinand Schöningh.

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Algensalat, Porridge und Bier – Essen und Trinken in Irland um 1600 war unseren heutigen Gewohnheiten gar nicht so fremd: Denn Algensalat, wie wir ihn heute aus derjapanischen Küche kennen, wurde schon damals gegessen.

Algen kamen entweder roh als Salat oder gekocht als Gemüse auf den Tisch. An der Küste zählte auch Fisch als regelmäßige Nahrungsquelle. Dazu gab es Kartoffeln oder Brot aus ganzen Körnern. Das war noch echtes Vollkornbrot – im Gegensatz zu unserem gemahlenen Weizenmehl! Nur die wohlhabende Gesellschaft und Adelige bekamen Semmeln, Gebäck und Brot, wie wir sie heute kennen. Zum Brot wurden Käse, Butter und Quark gereicht.

Der Rest der Bevölkerung gab sich mit Haferbrot und Haferbrei zufrieden. Denn Haferbrei war besser, als zu hungern – vor allem in Irland, wo Hungersnöte beinahe an der Tagesordnung waren.

Als Hauptmahlzeit waren Eintöpfe beliebt. Die Iren kochten oft mit Kohl, da er günstig war und gut gelagert werden konnte. Bekannt ist ein Eintopf aus Kartoffeln, Hammel- oder Lammfleisch, Zwiebeln und Petersilie.

Warum sie Hammelfleisch verwendeten? Weil Schafe Milch lieferten, Böcke jedoch nicht. Deshalb wurden sie geschlachtet und verarbeitet.

Ein zweiter bekannter Eintopf ist der „Colcannon“. Er besteht ebenfalls aus Kartoffeln, dazu gibt es Grün- oder Weißkohl, Frühlingszwiebeln, Milch und Butter. Milch galt als wertvoll, da sie schwer zu bekommen war. Aus diesem Grund wurde sie normalerweise nur gereicht, wenn Gäste eintrafen. Weitere Luxusgüter waren Fleisch und Alkohol. Rind-, Lamm- und Schweinefleisch sowie Geflügel und Eier wurden ebenfalls verzehrt.

Gewürze waren früher teuer. Die Oberschicht konnte Zucker und Zimt importieren. Die gewöhnliche Bevölkerung süßte mit Honig und verwendete neben Petersilie Salz.

Bier war eines der Hauptgetränke, das bereits Kindern tranken. Das lag daran, dass Brunnenwasser oder aus den Kanälen durch den Unrat der Bewohner als verseucht galt. Es zu trinken konnte lebensgefährlich sein. In Klöstern gab es statt Bier verdünnte Molke zu trinken. Molke entsteht bei der Herstellung von Milchprodukten wie Käse und ist entweder süß oder sauer.

An Festtagen wurde Met – Honigwein – gereicht, der noch heute auf Mittelalterfesten als Spezialität gilt. Schon im 13. Jahrhundert brannten die Iren ihren berühmten Whiskey.

Rezept für den Eintopf „Colcannon“

Wenn du nachempfinden möchtest, wie das Essen und Trinken in Irland um 1600 war, habe ich hier ein einfaches Rezeptfür dich:

Zutaten für 4 Personen als Hauptgericht:

8 Kartoffeln
Salz
10 – 12 TL nicht gesalzene Butter
6 Tassen gehackter Kohl (Weißkohl oder Grünkohl)
6 klein geschnittene Frühlingszwiebeln
200 ml Milch

Anleitung:

    1. Die Kartoffeln mit 2 TL Salz für 15 bis 20 Minuten kochen.
    2. Die Butter in einem Topf schmelzen lassen und den gehackten Kohl hinzufügen. Alles für ca. 3 bis 4 Minuten kochen. Jetzt die Frühlingszwiebeln dazu geben und noch einmal 1 Minute kochen lassen.
    3. Die Milch in den Topf gießen und mit dem restlichen Eintopf verrühren. Die Kartoffeln hinzugeben und entweder mit einer Gabel zerdrücken oder einem Pürierstab vermengen. Das Gemüse und die Kartoffeln gründlich vermischen.
    4. Salz nach Belieben hinzufügen. Heiß servieren mit einem Klecks Butter in der Mitte.

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Flamme der Freiheit

Der historische Roman „Flamme der Freiheit“ von Birgid Hanke erschien am 1. Juli 2013 im Knaur TB Verlag. Er behandelt die Potsdamerin Eleonore Prohaska, die als Mann verkleidet in den napoleonischen Kriegen in die Schlacht zog.

Inhalt

Eleonore wird als Tochter eines Feldwebels und einer Frau mit zweifelhaftem Ruf in Potsdam geboren. Später wird Eleonoras Gesangstalent entdeckt und in den Haushalt ihrer Gönnerin Dorothea von Prewitz zu Kirchhagen im Berliner Stadtpalais aufgenommen. Über die Jahre wächst Eleonora in die Gepflogenheiten der Adelsfamilie hinein. Einzig der Schwiegertochter der Gräfin, Elisabeth, ist die junge Sängerin ein Dorn im Auge.

Bei der Aufführung von „Orpheus und Eurydike“ verliebt sich Eleonore in deren Sohn Alexander. Dieser wird kurzerhand aus dem Palais vertrieben, auf dass sich Eleonore statt auf die Liebe auf ihre Gesangskarriere konzentrieren könne. Doch das Debüt fällt aus, als Napoleon mit seinen Truppen näherkommt und Preußen bedroht. Schließlich stirbt Gräfin Dorothea und Eleonore, noch stets von der Schwiegertochter verachtet, verlässt den adeligen Haushalt.

In den folgenden Jahren verdingt sie sich als Köchin, Haushälterin und Gesellschafterin bis sie Alexander in Berlin wiedertrifft. Sie verbringen einen Sommer in der Sommerresidenz der Prewitzsches. Eleonore wird von ihm schwanger. Doch als Alexander von dem Kind erfährt, stößt er Eleonore von sich. Verzweifelt kehrt diese zu ihrem Vater nach Potsdam zurück, wo sie ihr Kind gebärt und aufzieht. Eines Tages entdeckt sie ein Pamphlet des preußischen Königs, der alle Männer zum Widerstand gegen Napoleons Truppen aufruft. Daraufhin verlässt Eleonore Vater und Tochter, um für ihr Vaterland zu kämpfen.

Hankes Roman beschäftigt sich mit der Frage, wie eine Frau wie Eleonore dazu kam, sich als Mann zu verkleiden und als Soldat in die Schlacht zu ziehen.

Rezension: „Flamme der Freiheit“

Der Einstieg in den Roman fiel mir etwas schwer. Da ich zuvor häufig Bücher mit Ich- oder personalem Erzähler gelesen hatte, benötigte ich Zeit, um mich an die ausschweifenden Nebenhandlungen des auktorialen Erzählers zu gewöhnen. Zunächst betrachtete ich sie als irritierend, nach anfänglichen Schwierigkeiten genoss ich jedoch die Beschreibungen, die einen Einblick in die damalige Epoche zeichnen. Der Stil ist flüssig und sehr gewählt. Die Handlung ist nachvollziehbar. Einzig einige Handlungen der Figuren stellten sich als nicht schlüssig heraus. Beispielsweise die Frage, ob Karoline nun in der Wohnung lebt, die Eleonore für sich im Stadtpalais eingerichtet hat, und in der sie und Alexander die gemeinsame Tochter Ulrike gezeugt haben. Auch bleibt unergründlich, weshalb Karoline und Alexander Jahre später Ulrike zu sich nehmen möchten. Weshalb sollte sich Karoline für die aus einer Liaison entstandene Tochter ihres Mannes Alexander einsetzen und sie als „Spielgefährtin“ für ihren Sohn zu sich holen wollen?

Insgesamt hat mir „Flamme der Freiheit“ nach einem zähen Einstieg gut gefallen. Auf den letzten Seiten wurde es sogar noch einmal spannend und berührend. Deshalb empfehle ich diesen Roman allen, die sich gern in eine andere Zeit entführen und dabei unterhalten lassen möchten.

4/5 ⭐

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