Frühe Neuzeit: was du in der Schule verpasst hast, Foto: Daniele Levis Pelusia

Bauern, Dreifelderwirtschaft, Grafen, Könige – davon hast du schon mal gehört. Doch dass die Frühe Neuzeit den Weg geebnet hat für die Welt, in der wir heute leben, hat dir in der Schule niemand beigebracht.

In diesem Beitrag frischen wir diese Lücke auf – denn Geschichte ist mehr als ein trockenes Unterrichtsfach!

Kolonialisierung in der Frühen Neuzeit

Das Mittelalter endete im 15. Jahrhundert. Danach folgte die Frühe Neuzeit, sie reichte bis ins 18./19. Jahrhundert hinein.

Während dieser Zeit gab es bedeutende Umbrüche: Die Europäer besiedelten Amerika und die Inselgruppen um Indonesien und die Philippinen; tausende Einheimische kamen ums Leben. Die meisten nicht durch Gewalt, sondern wegen der eingeschleppten Krankheiten.

Wer überlebte, wurde wie ein Sklave behandelt; der indigenen Bevölkerung wurden die Menschenrechte aberkannt. Nur die Europäer hatten das Recht auf den 1. Artikel des Grundgesetztes: Die Würde derjenigen, denen das Land gehörte, war antastbar.

Stärkung der Bauern im Westen …

In Westeuropa begann die sogenannte „Kommerzialisierung“: Die Grundherrschaft verschwand; Bauern konnten Pachtverträge abschließen und ihr Land sogar vererben. In den Städten errichtete man Gärten, sodass auch Städter Grundnahrungsmittel anbauen konnten. Die Einheit zwischen Hintersasse (Bauer) und Herr löste sich auf.

… Versklavung im Osten

In Mittel- und Osteuropa dagegen trat die „Refeudalisierung“ ein: Die Grundherrschaft wechselte zur Gutsherrschaft – die Menschen wurden wieder stärker wie Untertanen behandelt, sie waren abhängig von ihren Herren. Getreide und Vieh wurde aus Ost- und Mitteleuropa in den Westen exportiert, hauptsächlich in das Alte Reich (heute Deutschland) und z. B. Ungarn.

Während der Westen besser dran war, litt der Osten unter dem System. Wer nun an Ost- und Westdeutschland bzw. Berlin denkt, liegt damit gar nicht mal so falsch: Ähnliche Strukturen ziehen sich bereits seit der Frühen Neuzeit durch Europa – unsere Geschichte ist ein Teil von uns!

Hungersnot und Krankheit

Die Menschen in der Frühen Neuzeit, besonders im 16. und 17. Jahrhundert, wurden von anhaltenden Hungersnöten gebeutelt. Missernten, Kriege und Krankheiten führten zu zahlreichen Toten und einem Rückgang der Bevölkerung.

Missernten führten zu hohen Preisen für Grundnahrungsmittel wie Getreide. Deshalb waren günstige, lang sättigende Speisen wie Haferbrei beliebt.

Weil die Preise stiegen, konnten ärmere Menschen ihre Familien nicht mehr ernähren. Sie litten Hunger, waren unterernährt, deshalb verschlechterte sich ihr Immunsystem. Schließlich starben sie an simplen Krankheiten wie einer Erkältung.

Auf der anderen Seite verarmten nicht nur die unteren Schichten, sondern auch Handwerker und Händler: Wenn die Preise für Grundnahrungsmittel stiegen, besaßen die Menschen weniger Geld, um andere Güter zu kaufen – wie Kleidung, Schuhe, Kämme, Werkzeug … Handwerker, Kaufleute und andere Berufsgruppen konnte ihre Waren nicht mehr verkaufen; auf diese Weise verarmten sie ebenfalls.

Die positive Seite der zahlreichen Tode

Allerdings profitierten die Menschen auch von den hohen Todesraten, so makaber es erscheinen mag: Denn heiraten und eine Familie gründen durften nur Menschen mit einer Vollerwerbsstelle, d. h., sie mussten entweder einen Hof oder einen Handwerksbetrieb besitzen.

Dank der Tode wurden frühzeitig Stellen frei – andere konnten diese besetzen und und sahen sich plötzlich in der Lage zu heiraten.

Im 17. Jahrhundert lag das durchschnittliche Heiratsalter bei

  • 25 Jahren für Frauen und
  • 27 Jahren für Männer.

In Krisenzeiten sank das Heiratsalter aus dem zuvor genannten Grund: Stellen wurden frei und die Menschen heirateten früher, da sie eine Familie ernähren konnten.

Fazit

Obwohl der Geschichtsunterricht die Frühe Neuzeit stiefmütterlich behandelt, war sie ein wichtiger Schritt der Menschheit zu der Welt, wie wir sie heute kennen. Das Grundrecht „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ wurde gelebt, es entbrannte eine Debatte über die Menschenrechte der indigenen Bevölkerung, die wie Sklaven behandelt wurden.

Hungersnöte waren an der Tagesordnung: Zahlreiche Menschen starben, doch jedes Ereignis hat zwei Seiten. Im Gegensatz zu der weit verbreiteten Annahme lag das Heiratsalter von Männern und Frauen im 17. Jahrhundert bei 26 Jahren. Eine Zwangsehe mit 16 oder gar 12 Jahren stand nicht auf der Tagesordnung.

Mehr zum Thema Familien in der Frühen Neuzeit erfährst du im nächsten Artikel.

 

Literatur

Schorn-Schütte, Luise (2009): Geschichte Europas in der Frühen Neuzeit. Studienhandbuch 1500 – 1789. Paderborn: Ferdinand Schöningh.

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Inhalt

„Genau so müssen wir sein […] Wir müssen blühen, auch wenn um uns herum die Welt untergeht.“ (Meißner 2018: 304)

Tiana ist 17 und Tochter des Herrscherpaares von Bel Aniz. Ihre Eltern veranstalten sechs Bälle, auf denen Tiana einen Bräutigam für sich finden soll. Währenddessen treiben sich fremde Gestalten im Wald herum, die als ausgerottet galten: die Venturen. Man sagt, sie besäßen die Macht über die Magie. Tianas Vater hat ihr überliefertes Erbe und alle Schriften verbannt aus Bel Aniz‘ Bibliotheken. Auf Tianas ersten Ball gerät alles außer Kontrolle: Sie wird entführt, entkommt, trifft auf die Hexe im Wald und erhält drei Eicheln, die sie im Moment größter Not einsetzen soll. Ihre Entführer holen sie ein und bringen sie in das Land Venturia, das entgegen allen Annahmen noch existiert. Tiana muss alles infrage stellen, was ihr bisheriges Leben ausmachte.

Rezension: „Venturia – Juwelen und Verfall“

„Venturia – Juwelen und Verfall“ war mein erstes Buch der Autorin – und hat mich vollkommen begeistert. Von der ersten Seite an war ich von ihrem Stil verzaubert, er zog mich sofort in die Märchenwelt um Venturia. Erzählt wird die Geschichte aus Tianas Perspektive, die weder dumm noch zu naiv ist: Als Prinzessin gehört eine Portion Unkenntnis über die Welt außerhalb des Palastes einfach dazu – ganz analog zu Jasmin aus Aladdin. Die Märchenadaption basiert lose auf „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ , spinnt mit Venturia jedoch eine eigenständige Geschichte, die mit ihrer Magie auch Fantasyliebhabende in ihren Bann schlägt.

Der erste Teil der Dilogie „Venturia – Juwelen und Verfall“ hat mir ausgesprochen gut gefallen. Alles passt: Stil, Charaktere, die Märchenwelt, magische Elemente. Ich freue mich auf den 2. Teil und wünsche allen viel Spaß beim Lesen!

5/5 ⭐

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Rezension: „Die letzten Zeilen der Nacht“

So zieht diese Liebesgeschichte die Lesenden in einen Strudel aus Wahrheit und Lüge, bei der man sich nie sicher sein kann, was auf der nächsten Seite lauert. Der Schreibstil ist gewohnt flüssig und ästhetisch: „Geschichten sind die Worte unseres Herzens, geschrieben mit der Tinte unserer Fantasie, geformt von der Feder unseres Verstands.“ Die Handlung wird aus Saizas Perpektive beschrieben. Dank des Ich-Erzählers konnte ich mit Saiza fühlen, sowohl ihr Leid als auch ihre Freuden. Der Spinnenfürst ist ein klassischer Trickster/Gestaltenwandler, bei dem wir nie wissen, was er als Nächstes plant. Deshalb bleibt „Die letzten Zeilen der Nacht“ bis zur letzten Seite spannend.

Schneider schafft es wiederholt, mich mit ihrem Stil in den Bann und ihre Welt zu ziehen. Obwohl ich auf ein anderes Ende gehofft hätte, kann ich „Die letzten Zeilen der Nacht“ nur empfehlen.

4,5/5 ⭐

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